Change Mangement: Graves Value System – ein integrales Konzept für nachhaltige Veränderungen

Wie Werte in Organisationen zu neuem Wachstum in dynamischen Märkten führen können

 

Organisationen müssen sich verändern, um ihre Existenz und ihren Erfolg auch in Zukunft zu sichern. Doch wie gelingt es, die richtigen Veränderungen rechtzeitig zu planen und in der Praxis systematisch umzusetzen?

 

Wenn sich Märkte so radikal und dynamisch wie heute wandeln, sind innovative Geschäftsmodelle gefragt, die über das bisher Bekannte hinausgehen. Nur wenn es gelingt, die Organisationskultur und deren Entwicklung mit einem Führungshandeln im integralen Sinne miteinander zu verbinden, ergeben sich neue Perspektiven für zukunftsfähige Unternehmen.

Das Graves-Value-System bildet hier eine hervorragende Basis, nachhaltige Veränderungsprozesse in Organisationen umzusetzen und Werte-Strukturen in Organisationen abzubilden und zu verstehen.

 

Hintergrund und Geschichte 

 

Das Graves-Value-System ist eine Theorie, die auf Basis der Forschungen Clare W. Graves entworfen und von Don Beck und Chris Cowan weiterentwickelt wurde. Clare W. Graves war Professor für Psychologie am Union College in New York. Im Zentrum seiner Forschungen stand die Frage, wieso sich Menschen so unterschiedlich verhalten und weshalb sich manche Menschen verändern und andere nicht. Ausgangsbasis seiner Forschungen war die Maslowsche Bedürfnispyramide. In einer empirischen Untersuchung fand er heraus, dass die Reihenfolge der drei obersten Bedürfnisse (soziale Bedürfnisse, Geltungsbedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse) bei Menschen unterschiedlich ist, und zwar abhängig davon, welche Werte der Mensch hat und in welchem sozialen Umfeld er lebt. Der entscheidende Schritt von Graves ist die Verbindung des Individuums mit dem sozialen System, in dem es sich befindet. 

 

Grundaussagen des Modells

 

Das System beschreibt, wie Menschen und Systeme „denken“. Was sie antreibt. Nicht was sie sind. Es gibt Aufschluss darüber, wieso Menschen und Systeme sich so verhalten, wie sie es tun.

Graves beschreibt Cluster aus Werten, Glaubenssätze über die Welt und Grundhaltungen, die in sich logisch sind und die Welt durch eine bestimmte Brille beschreiben. Diese Cluster nennt er Wertesysteme oder auch Meme (sich selbst verbreitende Ideen, Gebräuche und Kulturpraktiken). Diese Meme haben sich nacheinander über die letzten 100.000 Jahre entwickelt.

Die Wertesysteme oder auch Reifegrade bauen sich im Graves-Value-System spiralförmig aufeinander auf. Nach Graves verändern sich die Werte eines Menschen, einer Gruppe oder einer Organisation, wenn sich deren Lebensumwelt verändert. Mit zunehmender Komplexität der Umweltbedingungen braucht es komplexere Wertesysteme, um als Mensch, Gruppe oder Organisation zu bestehen.

Wenn sich ein neues Mem entwickelt hat, bleiben die alten Meme trotzdem in den Menschen und Gruppen lebendig. Ähnlich zu verstehen, wie bei den „Matruschka-Puppen“, bei der in jeder Puppe weitere, kleine Puppen zu finden sind. So verfügt jeder Mensch, jede Organisation, jede Einheit über ihr eigenes Werteprofil, das sich aus unterschiedlich starken Ausprägungen verschiedener Meme zusammensetzt.

Laut Graves gibt es keine gute oder schlechte Entwicklungsstufe eines Menschen oder eines Unternehmens. Jüngere, höherrangige Wertesysteme sind zwangsläufig nicht besser als niedrigere. Die Qualität einer Entwicklungsstufe hängt insbesondere davon ab, wie gut sich die Organisation oder die Person seiner Umgebung angepasst hat. Wenn ein Wertesystem besser mit den bestehenden Lebensbedingungen zurechtkommt, dann ist es das bessere Wertesystem für diese Lebensumwelt.

 

Die Wertesysteme /  Reifegrade im Einzelnen

 

Das Graves-Value-System unterscheidet derzeit acht verschiedene Wertesysteme oder Reifegrade. Die meisten Organisationen befinden sich gegenwärtig auf der vierten oder fünften Ebene.

 

1. Beige / Existierender-System

Instinktives / Überlebensmem

Im beigen Mem steht das reine Überleben im Vordergrund. Nahrung, Wasser, Wärme, Sexualität und Sicherheit stehen im Vordergrund.

Grundwerte: Das Leben erhalten, am Leben bleiben. Gefahren schnell erkennen und reagieren.

 

2. Purpur / Stammes-Menschen-System

Magisches / Animistisches Mem

Das purpurne Mem hat sich gebildet, weil Gruppen gemeinsam besser mit den Gefahren der Umwelt zurechtkamen als Einzelpersonen. Die Menschen bildeten Stammes- und Clan-Kulturen um Zugehörigkeit und Schutz zu erleben.

Grundwerte: Finden von Sicherheit, Blutsverwandschaft, Harmonie, magische Welt, die Familie und Vorfahren ehren.

 

3. Rot / Einzelkämpfer-System

Impulsives / Egozentrisches Mem

Aus dem purpurnen Gruppenzwang befreit sich der Mensch durch das rote Mem. Die Welt wird als feindseliger Ort voller Gefahren und Angreifer wahrgenommen. Der Mensch fühlt sich stark, vertraut auf sein Glück, seine Kraft und Fähigkeiten. Der rot geprägte Mensch verfügt über Werte wie Selbstständigkeit, Eroberungsgeist und Durchsetzungsvermögen.

Grundwerte: Dominanz. Rebellierender Individualismus, Gewalt, Selbstbehauptung, Charisma, Durchsetzung, Allmacht.

 

4. Blau / Loyalisten-System

Zielbewusstes / Autoritäres Mem

Durch die Kämpfe im roten Mem erschöpft, suchen die Menschen im blauen Mem nach Sicherheit, Ordnung und Gerechtigkeit. Einzelinteressen werden zurück gedrängt und einer höheren Ordnung unterworfen (z.B. dem Glauben). Das Aufstellen und Einhalten von Regeln, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und die Verteilung von Aufgaben auf mehrere Personen sind zentrale Merkmale.

Grundwerte: Bedeutung in Leben und Tod finden. Leiden ohne zu klagen, Stabilität, Ordnung, Ewigkeit.

 

5. Orange / Erfolgssucher-System

Erfolgreiches / Strategisches Mem

Auch die Entwicklung zu orange erfolgt wieder durch den Ausbruch Einzelner aus den klaren Regeln von blau. Die Fülle von Möglichkeiten, die die Welt bietet, regt an, das eigene Glück zu suchen. In orange wollen Personen vor allem: Erfolgreich  und die Besten sein. Wettbewerb und Weiterentwicklung sind der Antrieb dieses Wertesystems.

Grundwerte: Autonomie, materieller Erfolg, Leistung. Profitorientierung, Statusdenken. Wissenschaftliche und technische Innovationen.

 

6. Grün / Team-Menschen-System

Gemeinschaftliches / Egalitäres Mem

Die negativen Begleiterscheinungen der orangen Ebene, wie interner Konkurrenzkampf, Vereinsamung, Burn-out führten zur Herausbildung des grünen Mems. Wesentliche Grundhaltung im grünen Mem ist, dass alle Menschen gleich viel wert sind und es allen gleich gut gehen soll. Es ist wichtig, füreinander zu sorgen, auf den anderen einzugehen und alle zu beteiligen. Menschen im grünen Mem bemühen sich um Ausgleich und Konsens, um Harmonie und Chancengleichheit. Auch die Erkenntnis, dass ein Team aus Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Hintergründen mehr leisten und Erfolg haben kann, als ein Schar von Einzelkämpfern ist eine wesentliche Errungenschaft dieser Ebene.

Grundwerte: Zugehörigkeit, Frieden, Balance, Sinn für Gemeinschaft, alle Menschen sind Brüder und Schwestern

 

7. Gelb / Möglichkeiten-Sucher-System

Integratives Mem

Schnelle Veränderungen und eine immense Zunahme von Komplexität in der Umwelt führen dazu, dass das grüne Mem an seine Grenzen stösst. In der gelben Ebene entstehen Werte wie Flexibilität, Spontanität und Funktionalität. Menschen im gelben Wertesystem verstehen, dass Chaos und

Veränderung natürlich sind und gehen damit souverän um. Hohe Werte sind Kompetenz, Wissen, Unabhängigkeit und Individualität.

Grundwerte: Wissensdurst, Freiheitsdrang, Entdeckung der Vielfältigkeit des Lebens, Vereinbarkeit des Verschiedenen, Kompetenz.

 

8. Türkis / Globalisten-System

Holistisches Mem

In diesem Mem wird der Blick auf die Welt ganzheitlich. Grosse Zusammenhänge werden hergestellt. Die Auswirkungen von Entscheidungen auf die Umwelt, die Menschheit und auf nachfolgende Generationen spielen eine entscheidende Rolle. Ganzheitliches, intuitives Denken und kooperatives Handeln mit dem Ziel eines hohen Gesamtnutzens für alle – weit über die Unternehmensgrenzen hinaus – werden erwartet.

Grundwerte: Für alle Lebewesen in einer komplexen Welt einen Platz finden. Harmonie und Verbindung aller Lebewesen.

 

Die Veränderungsgeschwindigkeit der Welt führt dazu, dass auch Organisationen die Herausforderungen annehmen müssen, sich ständig weiter zu entwickeln und an die Anforderungen des Marktes anzupassen.

Die meisten Veränderungen finden innerhalb desselben Wertesystems, resp. Reifegrad der Organisation statt. Hier handelt es sich um Optimierungen und Anpassungen, die nicht gleich das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen.

Verändert sich die Unternehmensumwelt grundlegend und „spürt“ das System, dass das bestehende Paradigma nicht mehr geeignet ist, um erfolgreich zu bleiben, so ist ein umfassender Veränderungsprozess auf die nächste Reifegrad-Ebene nötig.

Dies ist beispielsweise daran zu merken, wenn Mitarbeitende permanent unzufrieden sind, die Fluktuation steigt oder wenn wichtige Prozesse nicht mehr funktionieren, vermehrt Fehler passieren oder Kunden schwinden.

Wichtig dabei ist: Es kann immer nur von einer Ebene zur nächsten entwickelt werden. Keine Ebene, beziehungsweise kein Reifegrad kann übersprungen werden.

Dabei ist besonders wichtig, dass die Mitarbeitenden das Potenzial für die nächste Ebene mitbringen und somit selbst über Werte, Glaubenssätze, Einstellungen verfügen, die es braucht, um die neue Ebene, den neuen Reifegrad der Organisation zu leben.